Freitag, 4. Januar 2008

THE NAMESAKE - Zwei Welten

Gesehen am 2. Dez. 2007

Seit langem habe ich mal wieder eine DVD direkt am Erscheinungstag teuer gekauft (weil im Kino verpasst) und heute war sie da: The Namesake - und ich habe die Ausgabe nicht bereut...schon heute weiss ich, dass ich diesen Filme viele, viele Male ansehen werde.

Der neue Mira Nair-Film ist ganz berührend, ein persönlicher Film, über das Wandern zwischen den Welten - in dem Falle Indien und Amerika, und auch über Trauer und Verlust. Kein Bollywoodschmand, sondern ein genaues Porträt der NRIs, die den Balanceakt zwischen New York und Kalkutta leben. Noch dazu die Verfilmung des gleichnahmigen Buches der Pulitzer-Preisträgerin Jhumpha Lahiri.

Ganz wunderbar ist Tabu in der Rolle der jungen Mutter Ashima, die (natürlich) arrangiert heiratet und nach Amerika zieht, um dort ihre Famile großzuziehen - mit allen Problemen zwischen den Kulturen und später auch den Generationen.
Sie ist so genau gezeichnet, dass man die Figur fühlen+spüren kann. Brilliant besetzt auch der Vater, und Gogol, der Sohn. Ein flotter Bursche, charmant (Kal Penn = wie ein blutjunger Naveen Andrews - Der englische Patient, Die Fremde in Dir).
Ein ansehnlicher Happen ist Zuleika Robinson als Gogols Bengali-frau. Was für eine Schönheit!

Der Besuch im Taj Mahal hat mich zu Tränen gerührt, weil er all die Gefühle angräbt, die einen vor diesem prachtvollen Gebäude ereilen. Genauso sprachlos steht man davor. All die Szenen, gefilmt an exakt den gleichen Stellen, an denen man selbst stundenlang verharrte, weil der Ort so magisch ist - es macht einen Jubeln, dass der Sohn daraufhin beschliesst Architekt zu werden. Genau das passiert an so einem Platz in Indien - man ist zutiefst berührt und will es auf irgendeine Weise behalten.

Und unglaublich traurig und bestürzend die Szene, in der Tabu unerwartet erfährt, dass ihr Mann gestorben ist, als sie allein in ihrem grossen Haus hockt und in dem für eine Inderin wahrscheinlich noch befremdlicheren weihnachtlichen Vorort barfuss auf die kalte Strasse rennt. Eine Szene voller Schmerz, Einsamkeit und Diskrepanz zwischen den Kulturen - habe lange nicht mehr so geflennt - im Kino wäre es noch schlimmer gewesen. Kein Schnulz, sondern das pure Leben von der traurigen Seite.

Insgesamt ein so ein berührender Film, mit allen Kultur+ Generationsunterschieden, harten Brüchen - und immer die Bewegung zwischen den zwei Welten -die, besonders wenn man beide kennt, ganz wunderbar erfasst sind und die Gefühle verständlich machen. Man lernt recht viel über beide Seiten.

Man sieht zum Beispiel bei der Beerdigung, wie die Ami-Freundin von Gogol dort wie ein Fremdkörper reinplatzt - in Schwarz gekleidet, während alle anderen das Indien-Trauer-Weiss tragen (sogar die Ami-Kollegin der Mutter, die offenbar über die andere Kultur etwas gelesen hat) - und als sie sich die Jacke auszieht und schulterfrei unter den saribedeckten Frauen sitzt - fremd, ohne Zugang zu der Kultur. Gut beobachtet, wenngleich vielleicht etwas plump. Aber solche Hühner trifft man wirklich in Indien, die sich nicht um die Kultur scheren und im Hemdchen rumhüpfen - besonders Amerikannerinnen, die da laut und voller unsensiblem Selbstbewusstsein agieren. Vielleicht also ist es ein Kommentar von Frau Nair zu dem Thema.

Wen sowas erreicht, der sollte sich das Werk unbedingt ansehen.
Ein wunderbarer Film.

Information
Darsteller: Kal Penn, Irfan Khan, Tabu, Jacinda Barrett, Zuleikha Robinson
Regisseur(e): Mira Nair
Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Twentieth Century Fox Home Entert.
DVD-Erscheinungstermin: 22. November 2007
Spieldauer: 118 Minuten

Die DVD:



Das Buch:

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