Freitag, 4. Januar 2008

IN GUTEN WIE IN SCHWEREN TAGEN - Sometimes Happy, Sometimes Sad -'Kabhi khushi kabhie gham...' ('K3G')

9. Nov. 2007

Passend zum Wetter hat man ja nur 2 Möglichkeiten: Weltuntergangs-Filme oder Bollywood. Auf Gemetzel hatte ich aber keine Lust, die Geräuschkulisse ist zu nervig für einen gemütlichen Abend. Also muss die Edelschnulze größter Güte ran: In guten wie in schweren Tagen - Sometimes Happy, Sometimes Sad -'Kabhi khushi kabhie gham...' ('K3G').

Denn was braucht man mehr als coole Musik, aufwändigste prächtige Tanzeinlagen, übermäßig Herzschmerz und ordentlich Mut zum Kitsch inklusive Traum-Tanz an den Pyramiden in Ägypten. Mit 210 Minuten Laufzeit ein langer Trost für das Scheisswetter draussen und ein schönes Fluchtangebot aus Indien.

Besetzt ist das Werk mit Charmeur+Oberheuler Shah Rukh Khan und der ständig fietschenden Kajol (wenngleich sehr schön anzuschaun), dem talentfreien Kasper Hrithik Roshan und der Oberzicke Kareena Kapoor (besonders nervig in der Alicia-Silverstone-'Clueless'-Parodie), die schöne Rani als lecker side-dish, na, und Amitabh Bachchan als stinkreicher Despot (das kann er gut).

Die Story ist Bollywood pur:
Der ältere Sohn einer Multimillionärs-Familie widersetzt sich der arrangierten Heirat, weil ihn die leider nicht standesgemäße große Liebe erwischte. Nun wird er vom allherrschenden Papa verstoßen und verzieht -Adresse-unbekannt -nach London. Die Mama ist darüber tot unglücklich und wegen dem Herzweh kommt der jüngere Sohn endlich drauf, dass er ja noch einen Bruder hatte und beschliesst die Familie wieder zu vereinigen, fährt nach London, zieht eine Mords-Scharade ab und am Schluss heulen alle, sind aber Shiva sei dank wieder froh und in Indien.

Es gibt Hochglanz-Werbebilder und brilliante Choreografien, z.B. wie Hubschrauber-Rotorblätter zu wild wirbelnden Tänzerinnen im MTV-Stil werden, bis wieder jemand ein schönes Lied singt (haha, Ranis hingehauchtes Happy-Birthday sollte doch eigentlich klingen wie Marge Simpson, bei Ranis cooler Originalstimme!) und die flachen Soap-Texte weiter träufeln (erträglich ist das aber nur in Hindi.) Dabei wälzt ER sich schon mal dekorativ im Wasser (wahlweise steht SIE im strömenden Regen, zur besseren Besichtigung) oder es weht ein wildes Lüftchen, fegt den Damen durchs Haar zur Untermalung von Emotionen, oder lupft den Sari, damit es was zu gucken gibt. An bedeutenden Stellen gibts noch Hall, und dann Donner zu den dramatischsten Dialogzeilen und wenns ganz schlimm kommt, regnets auch noch. Alles ganz einfach zu verstehen, man kann also nichts verpassen, denn wichtiges wird auch gern mal wiederholt und auf alle Fälle wird lang und ausgiebig, mit Tränen und Zappeln, in der Szene verharrt, bis auch der letzte gemerkt hat, dass es gerade tierisch ans Eingemachte geht.

Man erstaunt immer wieder darüber, wie angstfrei hier mit Kitsch und "Schön+Reich" umgegangen wird und fragt sich, wie man das selbst aushält (wenn man kein trainierter Soap-Gucker ist) und welche Steigerungsstufe noch drin ist (und der BW-Inder hat immer noch eine im Ärmel!). Wer die unglaublichen Wohnpaläste sieht (und im Gegensatz dazu zum Beispiel schon mal versucht hat, preiswert ein schäbiges Zimmer in London zu mieten) verabschiedet sich allerspätestens in den London-Szenen von der Realität. Hübsch auch, wie "reich" die Armen schon wieder dargeboten werden - man zeigt den wirklichen ranzigen Alltag in Indien lieber nicht.

Und der Hritik-Charakter -der jüngere Bruder- scheint an einer Art Früh-Demenz zu leiden, weil er in der Rahmenhandlung des 1. Teils erst von den Omis gesteckt kriegen muss, dass er einen Bruder hat und was eigentlich los ist in der family. Dabei war er in den Kinderszenen alt genug, um sich an seinen Bruder zu erinnern. Naja. Kommunikationsprobleme, nehme ich an.

Das alles tut der Sache aber keinen Abbruch, und das ist das verwunderliche an diesem Monsterzuckerberg, der manchmal gar recht nationalistisch daher kommt und beim Briten-Dissen ganz groß ist. Das hat den Indern im Kino bestimmt gefallen, darum: Schwamm drüber.

Für mich war Kabhi khushi kabhie gham 2004 DER An-Fix-Bollywood-Film, dem ich dann Batterien von Schluchz-Machwerken aus BW folgen liess (bis ich Sharukh nicht mehr flennen sehen konnte und mir heimlich eingestand, dass Aamir Khan der bessere Schauspieler ist - wenn auch nicht so charmant.) Dann rollte die deutsche BW-Welle an und es wurde mit deutschen Stimmen ganz und gar unerträglich. Das geht alles nur im O-Ton.

Trotz allem ist K3G wunderbar, weil konsequent und nicht fürs westliche Auge gemacht. Der schlichte Kinobesucher in Indien will keine komplizierten Filme über ein kompliziertes, schweres Leben - das haben sie alle selbst... sie wollen entfliehen in eine schöne reiche Welt, zum Träumen, und dabei Kind und Kegel mitnehmen...Masala eben. Für alle was dabei. Und an manchen Tagen will ich das hier auch. Darum ist K3G immer wieder die richtige Wahl, wenn Unterzuckerung auftritt.

Information:
Darsteller: Amitabh Bachchan, Jaya Bachchan, Shahrukh Khan, Kareena Kapoor, Hrithik Roshan
Regisseur(e): Karan Johar
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch / Hindi
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
DVD-Erscheinungstermin: 30. Januar 2006
Spieldauer: 210 Minuten

Bei Amazon:

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