Freitag, 13. Juni 2008

Die Brücken am Fluss / Bridges of Madison County

Schon lange wollte ich mir den alten Schinken von Herrn Eastwood mal wieder vorknöpfen, nun endlich hab ich es mal geschafft. So wie ich den Film in Erinnerung hatte, so erscheint er mir heute auch noch.
Die Rahmengeschichte von Bruder und Schwester, die den Nachlass der Mutter durchgehen und dabei auf deren geheime Liebesgeschichte stoßen, ist immer noch erbärmlich -und grottenschlecht gespielt dazu. Man muss es natürlich aus amerikanischer Sicht versuchen: verklemmte, familien-verkniffene Mittelständler aus dem mittleren Westen. Dann kann man die Reaktion vielleicht noch nachvollziehen.

Naja, das soll nicht ablenken von der eigentlich Geschichte, die ja immer noch reizvoll und schön ist. Wenngleich ich Eastwood selber für fehlbesetzt halte. Er wird von Frau Streep so gnadenlos an die Wand gespielt, ...und besonders kichern musste ich, als sie ihn heimlich durchs Fenster beim Waschen beobachtet und Clint seinen entblößten Oberkörper präsentiert. Warum ihr da was Wasser im Munde zusammenläuft...eigentlich wäre ein klares "Naja", ...aber in Iowa kommt halt nicht Brad Pitt, sondern Clint vorbei. Und das reicht schon aus...

Berührend ist die Geschichte allemal, und man spürt die Verlorenheit in einem fremden Leben und die kurze Hoffnung, dem entfliehen zu können. Meryl ist phantastisch in der Rolle. Und sie hat recht, und unrecht zugleich... bleibt eingesperrt in dem Leben, welches nicht ihres ist, opfert alles der Familie, weil sie die Last nicht mitschleppen will und ist niemlas glücklich. Darüber kann man staunen. Sich fragen, was man selbst tuen würde...zur Liebe laufen oder klar kühl denken, die Schuld nicht auf sich nehmen...?

Ein sehenswerter Film, nach wie vor.

Freitag, 4. Januar 2008

IN GUTEN WIE IN SCHWEREN TAGEN - Sometimes Happy, Sometimes Sad -'Kabhi khushi kabhie gham...' ('K3G')

9. Nov. 2007

Passend zum Wetter hat man ja nur 2 Möglichkeiten: Weltuntergangs-Filme oder Bollywood. Auf Gemetzel hatte ich aber keine Lust, die Geräuschkulisse ist zu nervig für einen gemütlichen Abend. Also muss die Edelschnulze größter Güte ran: In guten wie in schweren Tagen - Sometimes Happy, Sometimes Sad -'Kabhi khushi kabhie gham...' ('K3G').

Denn was braucht man mehr als coole Musik, aufwändigste prächtige Tanzeinlagen, übermäßig Herzschmerz und ordentlich Mut zum Kitsch inklusive Traum-Tanz an den Pyramiden in Ägypten. Mit 210 Minuten Laufzeit ein langer Trost für das Scheisswetter draussen und ein schönes Fluchtangebot aus Indien.

Besetzt ist das Werk mit Charmeur+Oberheuler Shah Rukh Khan und der ständig fietschenden Kajol (wenngleich sehr schön anzuschaun), dem talentfreien Kasper Hrithik Roshan und der Oberzicke Kareena Kapoor (besonders nervig in der Alicia-Silverstone-'Clueless'-Parodie), die schöne Rani als lecker side-dish, na, und Amitabh Bachchan als stinkreicher Despot (das kann er gut).

Die Story ist Bollywood pur:
Der ältere Sohn einer Multimillionärs-Familie widersetzt sich der arrangierten Heirat, weil ihn die leider nicht standesgemäße große Liebe erwischte. Nun wird er vom allherrschenden Papa verstoßen und verzieht -Adresse-unbekannt -nach London. Die Mama ist darüber tot unglücklich und wegen dem Herzweh kommt der jüngere Sohn endlich drauf, dass er ja noch einen Bruder hatte und beschliesst die Familie wieder zu vereinigen, fährt nach London, zieht eine Mords-Scharade ab und am Schluss heulen alle, sind aber Shiva sei dank wieder froh und in Indien.

Es gibt Hochglanz-Werbebilder und brilliante Choreografien, z.B. wie Hubschrauber-Rotorblätter zu wild wirbelnden Tänzerinnen im MTV-Stil werden, bis wieder jemand ein schönes Lied singt (haha, Ranis hingehauchtes Happy-Birthday sollte doch eigentlich klingen wie Marge Simpson, bei Ranis cooler Originalstimme!) und die flachen Soap-Texte weiter träufeln (erträglich ist das aber nur in Hindi.) Dabei wälzt ER sich schon mal dekorativ im Wasser (wahlweise steht SIE im strömenden Regen, zur besseren Besichtigung) oder es weht ein wildes Lüftchen, fegt den Damen durchs Haar zur Untermalung von Emotionen, oder lupft den Sari, damit es was zu gucken gibt. An bedeutenden Stellen gibts noch Hall, und dann Donner zu den dramatischsten Dialogzeilen und wenns ganz schlimm kommt, regnets auch noch. Alles ganz einfach zu verstehen, man kann also nichts verpassen, denn wichtiges wird auch gern mal wiederholt und auf alle Fälle wird lang und ausgiebig, mit Tränen und Zappeln, in der Szene verharrt, bis auch der letzte gemerkt hat, dass es gerade tierisch ans Eingemachte geht.

Man erstaunt immer wieder darüber, wie angstfrei hier mit Kitsch und "Schön+Reich" umgegangen wird und fragt sich, wie man das selbst aushält (wenn man kein trainierter Soap-Gucker ist) und welche Steigerungsstufe noch drin ist (und der BW-Inder hat immer noch eine im Ärmel!). Wer die unglaublichen Wohnpaläste sieht (und im Gegensatz dazu zum Beispiel schon mal versucht hat, preiswert ein schäbiges Zimmer in London zu mieten) verabschiedet sich allerspätestens in den London-Szenen von der Realität. Hübsch auch, wie "reich" die Armen schon wieder dargeboten werden - man zeigt den wirklichen ranzigen Alltag in Indien lieber nicht.

Und der Hritik-Charakter -der jüngere Bruder- scheint an einer Art Früh-Demenz zu leiden, weil er in der Rahmenhandlung des 1. Teils erst von den Omis gesteckt kriegen muss, dass er einen Bruder hat und was eigentlich los ist in der family. Dabei war er in den Kinderszenen alt genug, um sich an seinen Bruder zu erinnern. Naja. Kommunikationsprobleme, nehme ich an.

Das alles tut der Sache aber keinen Abbruch, und das ist das verwunderliche an diesem Monsterzuckerberg, der manchmal gar recht nationalistisch daher kommt und beim Briten-Dissen ganz groß ist. Das hat den Indern im Kino bestimmt gefallen, darum: Schwamm drüber.

Für mich war Kabhi khushi kabhie gham 2004 DER An-Fix-Bollywood-Film, dem ich dann Batterien von Schluchz-Machwerken aus BW folgen liess (bis ich Sharukh nicht mehr flennen sehen konnte und mir heimlich eingestand, dass Aamir Khan der bessere Schauspieler ist - wenn auch nicht so charmant.) Dann rollte die deutsche BW-Welle an und es wurde mit deutschen Stimmen ganz und gar unerträglich. Das geht alles nur im O-Ton.

Trotz allem ist K3G wunderbar, weil konsequent und nicht fürs westliche Auge gemacht. Der schlichte Kinobesucher in Indien will keine komplizierten Filme über ein kompliziertes, schweres Leben - das haben sie alle selbst... sie wollen entfliehen in eine schöne reiche Welt, zum Träumen, und dabei Kind und Kegel mitnehmen...Masala eben. Für alle was dabei. Und an manchen Tagen will ich das hier auch. Darum ist K3G immer wieder die richtige Wahl, wenn Unterzuckerung auftritt.

Information:
Darsteller: Amitabh Bachchan, Jaya Bachchan, Shahrukh Khan, Kareena Kapoor, Hrithik Roshan
Regisseur(e): Karan Johar
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch / Hindi
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
DVD-Erscheinungstermin: 30. Januar 2006
Spieldauer: 210 Minuten

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DER BEWEIS - ein Kommentar zum Elite-Dasein

Die Scheibe im DVD-Player hiess gestern: Der Beweis", mit Anthony (Hannibal) Hopkins, Gwyneth (Shakespeare in Love) Paltrow und Jake (Brokeback) Gyllenhaal.

Insgesamt ein guter Film, beeindruckend ist vor allem Gwyneth. Ihr völlig fertiger Gesichtsausdruck, teilweise verhuscht und manchmal hysterisch und am Rande eines Komplett-Nervenzusammenbruches entlang schrammend ging mir schon nah.
Hopkins war souverän und kraftvoll - und Jake ein netter boy.

Das kalte Chicago war schön in Szene gesetzt und die gestörten Familienverhältnisse erscheinen jemanden, der solche schon miterlebt hat, sicherlich überzeugend.

Wie gesagt, kein schlechter Film. Aber das Leben geht ohne ihn auch weiter.

Ich bestaune immer wieder die schönen Universitäten - so ein feiner Campus schafft schon eine angenehme Studierstimmung - ich entsinne mich nachsichtig an diverse Baracken und abgegriffene Gebäude in meiner Uni. Darum seh ich wahrscheinlich Filme, die in Ami-unis spielen so gern, gemischt mit Wehmut - mein Livebesuch von Princeton barg ja nicht nur die angenehmen Seiten sondern offenbarte auch all den Mordsstress der Elite-Studierenden dort.Es nutzt halt nicht viel, wenn man von so einer namenhaften Uni mit einer verhunzten Note abgeht. Darum geht dort alles im Schweinsgalopp mit unglaublichem Ehrgeiz voran.
Und da kann man schon mal so gucken wie Gwyneth den ganzen Film lang.

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DEPARTED - Leo gewinnt gegen Matt

Der letzte Scorsese-Film - roh, blutrünstig und brutal. Die amerikanische Großstadt (Boston?? Macht Scorsese nicht New York Filme?) von seiner hässlichen Seite. Mit einem grandiosen Leonarde di Caprio, der seinen Babyspeck endlich verliert und wie ein Mann wirkt - was für eine Überraschung. Und einem 0815-Matt Damon, der von Leo ganz ruhig an die Wand gespielt wird. Dank der Rolle fällt es nicht weiter auf, dass Damon nicht brilliant ist, und darum geht das Casting durch. Nicholson suhlt sich in der Gangsterrolle und war wahrscheinlich schwer zu bändigen. Ein paar seiner üblichen Manirismen bleiben nicht aus, aber er ist sehenswert in der Rolle.

Am Anfang des Filmes bewundere ich immer wieder, wie haarscharf die Rolle des jungen "Matt Damon" besetzt wurde - der boy hat nicht nur exakt die gleichen Gesichtszüge inklusive Stupsnase, sondern auch die gleiche Körpersprache...also entweder begnadet talentiertes Kind oder supergut gecastet.

Auch Alec Baldwin ist cool in der Polizeichef-Rolle...ein arrogantes Arschloch aus dem Lehrbuch - wogegen Mark Wahlberg ein bisschen angeschafft wirkt in seiner äztenden Figur.Und am Ende ist er auch noch der Gute...naja.

Die geschliffenen Dialoge, die natürlich nur in englisch funktionieren, die Musik und die Kameraführung bleiben im Gedächtnis - und die brutalen Kopfschüsse, mit denen die Darsteller der Reihe nach aus dem Film befördert werden - zum Teil so verblüffend plötzlich, dass man nach Luft schnappt.

Berührend die Liebesszene zwischen Leo und der Psychologin Farmiga (die wie eine junge Cate Blanchet wirkt, wenn jemand überhaupt so wirken kann wie die göttliche Cate). So ein verlorener, verletzlicher Typ, ... wie sagt sie so schön: Your vulnerbility is really freaking me out. Und wie recht sie hat...und trifft trotzdem die falsche Entscheidung. Man möchte sie schlagen.

DEPARTED ist ein spannender Film, der die Fragen zum Katz+Maus-Spiel neu beantwortet.

Und eine Frage noch: Was schenkt Nicholson Matt Damon zum bestandenen Abschluß? Was nur ist in der kleinen Schachtel?

Info:

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson
Regisseur(e): Martin Scorsese
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Warner Home Video - DVD
DVD-Erscheinungstermin: 13. April 2007
Spieldauer: 145 Minuten


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ONEGIN - kurz und kunstvoll

gesehen 20. Dez. 2007

Lange nichts zu schreiben, heisst nicht, nichts gesehen zu haben. Nur ist keine Zeit, das zu kommentieren. Nun denn, heute mal wieder, denn dazu kann man nicht schweigen: Einer meiner Schatzstücke. ONEGIN. von Martha Fiennes, Ralphs Schwester. Ein Winterfilm.

Mit Ralph als Titelheld in der berührenden Literaturverfilmung, die kaum jemand gesehen hat. Der Film war so kurz in den Kinos, dass ich ihn fast verpasst hätte.
Das Onegin-Thema ist so schön umgesetzt, Herr Fiennes spielt so herrlich süffisant und ist so ein Loser, ...wie kann er nur die zauberhafte Liv Tyler (als schöne Tatjana) verpassen...verkennen...überhaupt, sich selbst so verkennen, ... und ach, diese wundervollen Szenen: am See, als sie im Boot liegend die Freunde belauscht, an der Stelle, an der diese sich umbringen werden -was sie wiederum heimlich sieht; wie sie im Liebesfieber den Brief schreibt - das wiederkehrende Thema des laufenden Botenjungen...der Gegensatz zwischen russischem Landleben und die St.Petersburg-Szenen bis hin zum finalen Abschied in der hohen, kalten Halle...und dann noch Beethoven drunter zu legen...."Mir ist so wunderbar"(Fidelio) - ein so schönes Quartett...erweichend, in so schönen Bildern. Und die quälende Abschiedsszene...achja, der Film ist mein Kleinod im DVD Schrank.

Zur DVD:

# Darsteller: Ralph Fiennes, Liv Tyler, Toby Stephens
# Regisseur(e): Martha Fiennes
# Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
# Sprache: Deutsch, Englisch
# Region: Region 2
# Bildseitenformat: 16:9
# FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
# Studio: Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
# DVD-Erscheinungstermin: 30. November 2007
# Spieldauer: 102 Minuten

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MONA LISA SMILE-Julia als Kunsttussi

18. Oktober 2007:

Naja. Wollte was leichtes nebenbei gucken, was nicht soviel Konzentration erfordert. Das ist bei diesem Film auf alle Fälle ein erfülltes Kriterium. Und als gelernte Kunsthistorikerin fand ich ja allein die Erinnerung an die dunklen Hörsäle mit den Endlos-Dia-shows (ja, noch bevor Powerpoint Einzug hielt) sehr schön.

Julia Roberts
als Kunsttussi finde ich fast schon lustig - und da sie gern für sowas gecastet wird - ich sage nur: Oceans Eleven, oder Hautnah als Fotografin - kann sie inzwischen auch ganz überzeugend Kunstwerke anhimmeln. Vielleicht hat Frau Roberts in der Tat Ahnung davon, ich weiss es nicht.

Jedenfalls ist der Film ein weichgespültes Ding mit viel Julia_smile...gern kommentiert mit MONA LISAs Lächeln, ein bisschen "Club der toten Dichter" für girls. Aber nett gemacht. Frauen sollen selber denken, selbst entscheiden und sich nichts vorschreiben lassen. Ein Emanzenfilm.
Hat nun wieder meine spezielle Freundin Kirsten Dunst dabei, in der Zicken-Rolle. Dieser Typus Frau den sie so überzeugend spielt - seit Kindheit- scheint ihr sehr zu liegen. Ich kann si ejedenfalls nicht ausstehen - egal ob sie sich wandelt oder am Ende doch ganz nett ist...
Julia Stiles wiederum mag ich - nicht nur seit Bourne. Sie hat eine gewisse Schärfe, wenn es sein muss, sagt auch einen schönen Satz über die freie Wahl. Und ihre Rolle ist sympathisch.

Da aber der ganze Film eigentlich ganz kantenlos ist und die Probleme an den Frauen-Unis der 50er heutzutage recht fern liegen, kommt der Film dann doch belanglos daher. Oder aber ich verkenne die Zielgruppe, denn der Film wurde ja nicht für Europa gemacht, sondern für Amiland - und vielleicht gibt es dort auch heute noch solche Weibchenbrigaden, an die das gerichtet sein könnte.
Meine Erfahrung mit Amerika ist zwar eine andere, ich hab da viele schlaue Frauen getroffen, die nicht so dringend unter die Haube wollten -aber wer weiss.

Am besten, weil schön überdreht ist Marcia Gay Harden. Kaum wiederzuerkennen und ganz kraftvoll in dieser Rolle der alternden Jungfrau.
Maggie Gyllenhaal ist cool, wie immer. Man sieht sie zu selten. Ich finde sie herrlich. Schade nur, dass sie auch immer so auf Typ besetzt wird und selten so richtig was zu spielen kriegt.

Überraschend war schon beim ersten Mal der hübsche Auftritt von Tori Amos - singender Weise natürlich. Mit Bigband. Sehr schön im Bild und der Hinweis "tolle Band" kommt gleich 2 mal hintereinander im Film. da war wohl jemand fan.

Insgesamt ein netter Nachmittagsfilm mit ansehnlichen Damen und einer herzlichen Julia Roberts als Mona Lisa ... oder so.

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Best of Tori Amos:

JAMES BOND - Stattliches Casino Royale

Gesehen am 19. Oktober 2007

Gestern war Kampfgucken angesagt. Nach dem Kunstschmalz mit Frau Roberts musste etwas Schlagkräftiges her. Da kam nur Bond in Frage. Mit sexy Daniel Craig, den ich von mal zu mal mehr mag.
Wem ich auch sehr gern zusehe ist Eva Green, die in "Königreich der Himmel" schon brilliant war. Als Bond-girl (wobei "girl" komplett daneben ist) bietet sie dem Meister gute An-Spielfläche. Spitze Dialoge auch, gut geschrieben - die Kombination ging voll auf.
Und besonders Mads Mikkelsen als Bösling - eine feine Wahl. Den Fiesling bringt er gut. Das Matschauge hätte gar nicht sein müssen - aber bei den Lippen, da musste man ihn wohl noch etwas entstellen.

Der Craig-Bond wurde ja viel gelobt und viel beschimpft - ich gehöre zu den Lobern. Finde die knallharte Art ehrlicher als das edelschick (obwohl die Brosnan-Bonds auch witzig waren, ohne Frage) - aber dieser Bond rutscht eben so gar nicht mehr ins Ulkige, und das gefällt mir sehr. Naja, und dann noch die coolen Absagen an bisherige Standarts (zur Frage des Drinks) ...

Das massige Productplacement geht einem auf die Ketten - auffälliger gings dann nimmer (Handy-navi usw.), und die Körperwelten gleich noch mit ins Script einzubauen (inklusive der gut verständlichen Ansage zu van Hagens UND das Poster, das lange im Hintergrund zu sehen ist - ich frage nicht nach den Geldern, die da geflossen sind und sehe großzügig darüber hinweg. Man kann sich in den Momenten ja die atemberaubende Parcour-Szene auf den Baukränen zurückrufen - und dann die ganze wilde Verfolgungsjagd mit allen Raffinessen - und die Bond-sche praktische Lösungsart zu Fitnessproblemen bewundern (ich sage nur: Bad Guy springt durch Türschlitz, Bond rennt gleich komplett durch die Wand, sehr hübsch.)

Der Einsturz des Palazzo in Venedig ist für einen, der Venedig schätzt, geradezu schmerzlich mit anzusehen. Manometer, da haben sie aber auf die Tube gedrückt. Und was für ein Finale. Die schöne Eva - dahin.

Zu diesem Film kann man aber auch die Brille aufsetzen und nach vielen, vielen Fehlern suchen, zum Beispiel: wie der Bombenleger-Gangster am Anfang nach dem Mordssprint zur Botschaft so fix den Pass aus dem geschlossenen Rucksack holen konnte, den der Soldat am Eingang schon kontrolliert. Oder warum es Bond so kurz nach der Wiederbelebung gleich wieder so gut geht. Und wie er von den Bahamas so blitzartig nach Miami kommt.Und so weiter und so weiter.
...aber das machen andere Leute schon sehr gut und lustig: http://www.fehler-im-film.de

Ich seh den Bond trotzdem sehr gerne und immer wieder, weil er richtig gut gemacht ist...schnell geschnitten, auf den Punkt gespielt...und Craig ist ein guter Bond.
Und nun warte ich auf den nächsten.

Info zum Film:
Darsteller: Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Judi Dench, Jeffrey Wright
Regisseur(e): Martin Campbell
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch, Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Sony Pictures Home Entertainment
DVD-Erscheinungstermin: 23. März 2007
Spieldauer: 139 Minuten

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KING KONG - Konsequentes Affentheater

Gesehen am 1. Nov. 2007

Nach längerer, stressbedingter Guckpause musste heute unbedingt ein ordentlicher Hollywoodschinken her, der von den Socken haut. Eines der letzten großen Werke war KING KONG, ...von Herr-der-Ringe-Jackson.
Wow, was für ein Machwerk. Jede Szene "larger than life", wie es sich gehört für diesen Filmstoff. Die Geschichte ist ja hinlänglich bekannt, da war auch nicht viel neues zu erwarten. Ausser ein ordentliches Remake. Und das wurde geliefert. Darum ging es auch nicht. Aber die Kombination der Effekte, die Brillianz der Schauspieler (ausser Jack Black, den ich ausser in High Fidelity noch nie leiden konnte. So ein Fatzke.) - aber ich finde Frau Naomi Watts einfach herrlich, und besonders cool kommt sie saltoschlagend vor dem Riesenaffen und auch am Panikschrei ist sie deutlich - und Mister Brody - was soll man sagen...einfach feines Kino!

Der Film hat ganz magische Momente (Sonnenuntergang-gucken am Berg oder Eis- Arschrutsch-Tanzen mit Kong in NY) und überhaupt kann Jackson hervorragend Stimmungen produzieren, die berühren - selbst wenn man nicht im großen Kino sitzt, sondern vor der Glotze hockt. Aber das wissen wir ja noch von HdR.
Allein die Mords-Action-Dschungel-Szenen...buh, man möchte nicht dortsein, so surreal erscheinen sie - und gleichzeitig so phantastisch gemacht. Ein bisschen Herr-der-Ringe-Feeling findet man immer mal vor (da hat er seine Spinnenszenen aber ordentlich ausgebaut!!), ebenso wie schönste Grüße an diverse Hollywood-Filme, die einem in den Sinn kommen...ein bisschen Titanic, ein bisschen Jurrassic-Park...aber alles mit noch mehr Klasse (ist ja auch eine Weile her, dass JP gemacht wurde) und immer hochachtungsvoll. Gefällt mir sehr.

Die Überlänge tut dem Film gut, denn so ist kein rasendes, oberflächliches Wegwerfkino entstanden, sondern ein beeindruckender Schinken von Genrefilm, der den historischen Kontext der 30er Jahre und all die Vorgaben aus dem Original glaubwürdig an den Zuschauer bringen.

Es ist wirklich ein magischer Film mit unvergesslichen Bildern, wenn man sich drauf einlassen kann. Ich kann es immer wieder!


Info zum Film:


Darsteller: Naomi Watts, Adrien Brody, Jack Black
Regisseur(e): Peter Jackson
Format: Dolby, Limited Edition, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch, Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universal/DVD
DVD-Erscheinungstermin: 4. April 2006
Spieldauer: 180 Minuten

Die DVD:


THE NAMESAKE - Zwei Welten

Gesehen am 2. Dez. 2007

Seit langem habe ich mal wieder eine DVD direkt am Erscheinungstag teuer gekauft (weil im Kino verpasst) und heute war sie da: The Namesake - und ich habe die Ausgabe nicht bereut...schon heute weiss ich, dass ich diesen Filme viele, viele Male ansehen werde.

Der neue Mira Nair-Film ist ganz berührend, ein persönlicher Film, über das Wandern zwischen den Welten - in dem Falle Indien und Amerika, und auch über Trauer und Verlust. Kein Bollywoodschmand, sondern ein genaues Porträt der NRIs, die den Balanceakt zwischen New York und Kalkutta leben. Noch dazu die Verfilmung des gleichnahmigen Buches der Pulitzer-Preisträgerin Jhumpha Lahiri.

Ganz wunderbar ist Tabu in der Rolle der jungen Mutter Ashima, die (natürlich) arrangiert heiratet und nach Amerika zieht, um dort ihre Famile großzuziehen - mit allen Problemen zwischen den Kulturen und später auch den Generationen.
Sie ist so genau gezeichnet, dass man die Figur fühlen+spüren kann. Brilliant besetzt auch der Vater, und Gogol, der Sohn. Ein flotter Bursche, charmant (Kal Penn = wie ein blutjunger Naveen Andrews - Der englische Patient, Die Fremde in Dir).
Ein ansehnlicher Happen ist Zuleika Robinson als Gogols Bengali-frau. Was für eine Schönheit!

Der Besuch im Taj Mahal hat mich zu Tränen gerührt, weil er all die Gefühle angräbt, die einen vor diesem prachtvollen Gebäude ereilen. Genauso sprachlos steht man davor. All die Szenen, gefilmt an exakt den gleichen Stellen, an denen man selbst stundenlang verharrte, weil der Ort so magisch ist - es macht einen Jubeln, dass der Sohn daraufhin beschliesst Architekt zu werden. Genau das passiert an so einem Platz in Indien - man ist zutiefst berührt und will es auf irgendeine Weise behalten.

Und unglaublich traurig und bestürzend die Szene, in der Tabu unerwartet erfährt, dass ihr Mann gestorben ist, als sie allein in ihrem grossen Haus hockt und in dem für eine Inderin wahrscheinlich noch befremdlicheren weihnachtlichen Vorort barfuss auf die kalte Strasse rennt. Eine Szene voller Schmerz, Einsamkeit und Diskrepanz zwischen den Kulturen - habe lange nicht mehr so geflennt - im Kino wäre es noch schlimmer gewesen. Kein Schnulz, sondern das pure Leben von der traurigen Seite.

Insgesamt ein so ein berührender Film, mit allen Kultur+ Generationsunterschieden, harten Brüchen - und immer die Bewegung zwischen den zwei Welten -die, besonders wenn man beide kennt, ganz wunderbar erfasst sind und die Gefühle verständlich machen. Man lernt recht viel über beide Seiten.

Man sieht zum Beispiel bei der Beerdigung, wie die Ami-Freundin von Gogol dort wie ein Fremdkörper reinplatzt - in Schwarz gekleidet, während alle anderen das Indien-Trauer-Weiss tragen (sogar die Ami-Kollegin der Mutter, die offenbar über die andere Kultur etwas gelesen hat) - und als sie sich die Jacke auszieht und schulterfrei unter den saribedeckten Frauen sitzt - fremd, ohne Zugang zu der Kultur. Gut beobachtet, wenngleich vielleicht etwas plump. Aber solche Hühner trifft man wirklich in Indien, die sich nicht um die Kultur scheren und im Hemdchen rumhüpfen - besonders Amerikannerinnen, die da laut und voller unsensiblem Selbstbewusstsein agieren. Vielleicht also ist es ein Kommentar von Frau Nair zu dem Thema.

Wen sowas erreicht, der sollte sich das Werk unbedingt ansehen.
Ein wunderbarer Film.

Information
Darsteller: Kal Penn, Irfan Khan, Tabu, Jacinda Barrett, Zuleikha Robinson
Regisseur(e): Mira Nair
Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Twentieth Century Fox Home Entert.
DVD-Erscheinungstermin: 22. November 2007
Spieldauer: 118 Minuten

Die DVD:



Das Buch:

OCEANs 13 - lahme Enten

Geschrieben am 1. 12. 2007

Nun, ich hab in den letzten Wochen schon ein paar Filme gesehen, aber keine Zeit zum Drüberschreiben gehabt. Heute aber mal wieder ein Kommentar zum leidlichen"Oceans 13" - den ich in Reihe geschalten nach den beiden Vorgängern gesehen habe...und von Spitze bin ich nun bei mau angekommen.

Es ist ein Aufguss geworden, der den Witz und die Spannung von Teil 1 nicht mehr erreicht. Schade um die lustigen Ideen.
Es nervt mich, Brad Pitt in jeder Szene mit einem Getränk oder einer Fressalie in den Händen zu sehen. Die Dialoge zwischen den obercoolen Chefganoven, Pitt und Clooney, von geneigten Liebhabern als "Hemingway-Stil" beschrieben, zünden gar nichts und sind selten witzig genug, um die Brillianz in Oceans 11 zu erreichen. Nix da geschliffen, sondern einfach nur...doof. Eigentlich. Sogar in englisch.

Am besten kommt Andy Garcia, der hat aber leider nicht genug zu spielen. Mit ihm hat Clooney auch seine coolsten Szenen: lässige Angebereien und herzliche Seitenhiebe auf Teil 1, und wie er ihn zu Ophrah W. schickt und dabei ein Kilo Waisenkinder an den Hals hängt ist zum Schreien. Da hab ich schon sehr gefeixt - und allein deswegen lohnt es sich schon, den Film zu sehen.

Al Pacino als boshafter Gierhals ist schrecklich. Spielt gar nichts, latscht nur langweilig durch den Film, und ist nicht Schwein genug oder hat keinen Biss - man hat ihn wirklich schon diabolischer gesehen. Im Auftrag des Teufels. Dort hängt der Hammer und das erwartet man nun.

Frau Barkin ist alt geworden, aber rattenscharf... versucht sich nur leider überdreht komisch gegen Pacino. Die Mischung stimmt mir hier nicht, weil sie zu sehr im Slapstick als fiese Assistentin daherkommt. Aber allein gesehen ist sie sehr gut, ihr schiefes GRINSEN reisst sie immer wieder raus.

Und ansonsten fehlt mir Frischluft im Film, alles abgegriffene Witze. Ich liebe Don Cheadle, er ist so ein wunderbarer Schauspieler und in den Ocean-Filmen ist er so witzig, aber es geht eben nichts mehr los, wenn er wieder den gleichen Witz abspielen muss und schräger Erklärungen für technische Probleme liefert. Das hatten wir nun leider schon alles, sogar in Wiederholung im 2. Teil und nun funktioniert es höchstens noch als kurzes Zitat...aber nicht mehr als Gag.
Auch das Bruder-Gezänk ist leider nicht mehr so vielseitig vertreten, ...das war so witzig in den anderen Teilen und wurde arg gekürzt. Zum Nachteil, wie ich finde. Die zwei haben eine Geschwindigkeit im Streit drauf, die herrlich ist.
Überhaupt kommt es mir ein wenig durch den Film gehetzt vor, keine Zeit mehr genommen für den ausgespielten Witz.

Dennoch, in Triologie kann man sich auch den 3. Teil geben, weil trotz aller Abstriche immer noch ein heiterer Film rausgekommen ist, der intelligenter als der meiste andere Quatsch aus Hollywood ist.



Information

Darsteller: George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon
Regisseur(e): Steven Soderbergh
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
Studio: Warner Home Video - DVD
DVD-Erscheinungstermin: 12. Oktober 2007
Spieldauer: 117 Minuten

Bei Amazon:


DEVDAS - Die ganz große Oper

gesehen am 23. Oktober 2007:

Bei dieser Saukälte heute, und nach einem kraftraubenden Arbeitstag, musste dringend die ganz große Oper her..."DEVDAS" war heute angesagt. Der Bollywood-Schmalz schlechthin. Ein Drama vor dem Herrn. Es wird geweint und intregiert was das Zeug hält, aber alle. Und dann auch noch so schön gestorben! Alles in herrlichstem Glitzer und in Farbtönen, die das europäische Auge immer wieder der totalen Überreizung aussetzen (für jeden Grafiker eine Offenbarung). Im Kino kann dieser Film bestimmt ein paar Drogen ersetzen - man wird ganz berauscht von all der Pracht.

Aber Sharukh ist so ein schlechter Heuler, ich staune immer wieder. Keine Frage, Charme hat er, und optisch auch nicht schlecht anzusehen, besonders ganz in weiss - aber wenn sein Unterkiefer anfängt zu zittern, fange ich auch an zu zittern. Gleich kommtse, die dicke Träne... aber ich liebe Sharukh trotzdem.

In Devdas bewundere ich immer wieder die wundervolle Maduri Dixit, die kraftvoll und lebendig spielt. Aish ist die elegante Puppe, die einen sehr dekorativen Sprint an den Tag legen darf...tanzen können beide Ladys äusserst ansehnlich. Überhaupt ist die Musik immer wieder herrlich. Unterschiedliche Stile und entsprechend die Choreographie der Tänze.

Ich stelle mir gern die Dreharbeiten vor, ...wie die armen Schauspielerinnen mit kiloschwerem Schmuck und gold+spiegelbestickten Saris durch die Gegend hüpfen sollen und dabei ganz leicht aussehen müssen, hihi.
Auch staune ich, wie herrlich opulent die Billighütte von Paro und der Hurenpalast von Chandramuki ausgestattet sind. Die sollen ja nun arm sein.Das erschliesst sich einem überhaupt nicht, da braucht man schon die Untertitel dazu. Aber in so einem realitätsfernen Werk ist das dann auch egal. Man kriegt auch keine Landschaftsaufnahmen angeboten, so dass man irgendwie die Gegend, Orte oder gar die genaue Stadt erkennen könnte - Orientierung findet nicht statt, man bleibt an imaginären Orten, die prächtigst dekoriert sind. In Indien eben.

Unvergesslich ist das knallharte Filmende - beeindruckend konsequent und dramatisch zusammengefügt. Die Szenen sind genial geschnitten und wie es sich für die große Oper gehört, gibts ordentlich Zeitlupe, ahnungsvolle Blicke und wehende Schals.
Und dass einem auch noch der letzte versöhnende Abschiedsspruch verwehrt bleibt, das gibt dem Hollywood-kitsch-verwöhnten Zuschauer dann den Rest. Die Bollywood-Keule, sozusagen.

Aber nach diesem Ausstattungsfest voller Emotion und der gaaanz großen Liebe ist mir wieder richtig warm geworden. Soll der Winter doch kommen, das Regal ist voll mit Bollywood-Opern!

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Auf Wunsch eines einzelnen Herrn hier die Daten zum Film:

Darsteller: Shahrukh Khan, Madhuri Dixit, Aishwarya Rai
Regisseur(e): Sanjay Leela Bhansali
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Engl./ Hindi (gibts aber auch in DE)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Ufa/DVD
Spieldauer: 175 Minuten

Der Film:





Das Buch: